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Dienstag, 10. Juni 2014

Kindheitserinnerungen reloaded

Jacobs Momente: Kindheitserinnerung als Kapsel
Vaternächte können mitunter ziemlich anstrengend sein, und so hat am Folgetag jeder seine eigene Methode, die Lebensgeister zu wecken oder wach zu halten. Nach einer kurzen Nacht ist es bei mir definitiv eine hohe Dosis Kaffee.

Kaffee ist seit meiner Kindheit mit Melitta-Filter und Jacobs-Kaffee verbunden. Jeden Morgen der Duft von frischem Kaffee, jeden Morgen Papa, der murmelte "der erste Schluck ist immer der beste" und regelmässig meine erfolglosen Versuche, auch einen Schluck dieses besonderen Getränks zu ergattern.

Der Filterkaffee wurde inzwischen sowohl zu Hause als auch im Büro längst vom Nespresso-System abgelöst, und das Traumpaar "Jacobs / Melitta" gerieten in Vergessenheit.

Heute nun der Flash Back: Ich halte Kapseln für die Nespresso-Maschine von Jacobs in meinen Händen! Kindheitserinnerungen, seid willkommen!

Bis heute hielt ich mich tagsüber mit der üblichen Büro-Plörre am Leben. Eine Nespresso-Maschine steht zwar bereit, aber die Kapsel-Bestellung über Internet war mir und meinen Mitstreitern zu mühsam. So haben wir einfach immer ein paar Kapseln für Gäste in Reserve, ansonsten muss Pulverkaffee reichen.

Nach einigen unschönen Angriffen auf meine Geschmacksnerven durch billige Nachahmerkapseln aus Discountern war ich gespannt, was die Königin der Kaffeebohne zu bieten hat. Und ich wurde nicht enttäuscht: Kaffee vom feinsten!

Und während ich zusammen mit einer Arbeitskollegin eine weitere Tasse geniesse, diskutieren wir über Produkte und Marken, die wir als Kinder kennengelernt haben und zum Teil noch immer benutzen: Elmex, Meister Propper (putzt so sauber, dass man sich drin spiegeln kann), Persil (da weiss man, was man hat), usw.

Und wir überlegen uns, welche Produkte und Marken unsere Kinder in 30 Jahren noch benutzen werden.

Pro-Tipp unter Männern: Kapseln gratis testen - Infos unter www.jacobsmomente.com 

Donnerstag, 13. März 2014

Wir Väter am Wochenbett

© Karin / pixelio.de
Wir Väter können mit dem Säugling alles tun, ausser stillen. Diese alte Weisheit gilt auch am Wochenbett. Mehr noch: Wir sollten alles daran setzen, unserer Partnerin die bestmögliche Erholung zuteil werden zu lassen.

Mit diesem Artikel nehme ich an der Blogparade Wochenbett-Tips aus erster Hand von Hebammenblog.de teil.

Ich kann mich noch genau an den Moment erinnern, als ich unser Haus betrat, am linken Arm der Maxicosi mit dem Baby und am rechten Arm eingehakt meine Frau. Das neu eingerichtete Kinderzimmer, die frisch bezogene Wiege, Duftende Wäsche im Schrank - alles war wie im Traum.
Meine Frau hatte derweil nur ein Ziel: das Bett. Nach dem Notkaiserschnitt und schnarchenden Zimmergenossinnen in der Klinik brauchte sie dringend Erholung.

Ich konnte nach der Geburt (bzw. nach der Heimkehr von Mutter und Kind) drei Wochen Ferien nehmen, um mich ganz um die Familie zu kümmern. Das hat sich als guter Plan erwiesen.

Übernahme des Haushalts
Während des Wochenbetts gehört der Haushalt dir ganz alleine. Lass deine Frau sich erholen, so gut es geht. Kochen, Wäsche waschen, Garten giessen, einkaufen und vieles mehr gehört nun zu deinem Arbeitsgebiet. Dazu gehört natürlich auch eine Frau, die dich machen lässt, ohne ständig dreinzureden (siehe dazu auch den Artikel "Betrifft: Haushalt").

Der perfekte Gastgeber
Jeden Tag stehen Nachbarn, Dorfbewohner, Verwandte und Freunde unangemeldet vor der Tür. Vergiss nicht, täglich frischen Kuchen zu backen (oder wenigstens Kekse zu besorgen) und das Wohnzimmer zu saugen. Ich empfehle dir auch, eine Liste zu führen, wer welche Geschenke mitgebracht hat. Du verlierst nämlich schneller den Überblick, als dir lieb ist. Wir kamen beim Schreiben der Dankeskarten jedenfalls tüchtig ins Schwitzen. Beim zweiten Kind führten wir eine Liste, was sich bewährte.

Deine Unterstützung beim Stillen
Stillen ist Kräfte zehrend. Das glaubst du erst, wenn du es an deiner eigenen Partnerin erlebst. Ich habe das Baby deshalb immer zum Stillen gebracht und anschliessend hochgenommen, bis das "Rülpslein" gekommen war. Meine Frau sollte sich schliesslich erholen können. Das habe ich übrigens die ganze Stillzeit so gehandhabt. Elf Monate und 27 Tage, Tag und Nacht (ausser ich war auf Arbeit), bis sich der Kleine selber abgestillt hatte.

In meinem Freundeskreis hatten wir einige Mütter, die Anfangs froh waren um Unterstützung durch ihre Partner beim Ansetzen des Babys. Das Baby richtig in den Arm nehmen, die Brustwarze richtig anbieten und dann die Überwindung, das Baby trotz anfänglicher Schmerzen zuzulassen, ist nicht immer einfach. Biete deine Unterstützung an. Vielleicht reicht es, ihr das Kind richtig in den Arm zu legen, so dass sie sich auf das Ansetzen konzentrieren kann. Tu einfach genau das, was dir deine Partnerin sagt. 
Merke dir auch, welche Brust dran ist. Wenn du das Baby zuerst verkehrt herum in den Arm gibst und es deshalb noch einmal aufnehmen musst, gibt das unnötige Unruhe. 

Launen aushalten
Du hast bestimmt noch die Stimmungsschwankungen, die deine Partnerin während der Schwangerschaft durchgemacht hat, in Erinnerung. Die Hormone lassen das emotionale Gleichgewicht bekanntlich bisweilen massiv in Schieflage bringen.
Was dir niemand sagt: Nach der Schwangerschaft muss das ursprüngliche "Hormongefüge" wieder hergestellt werden. Die Stimmungsschwankungen können deshalb gleich heftig sein wie während der Schwangerschaft. 
Dazu kommt, dass das Gedächtnis während der Stillzeit sehr schlecht ist ("Stilldemenz").
Mein Tipp: Steh darüber, lass allfällige Stimmungsausbrüche an dir abprallen und freue dich an deinem Baby ;-)

Antworten und Unterstützung holen
Vor allem beim ersten Kind kennst und kannst du noch nicht alles, du hast viele Unklarheiten. Sei nicht zu stolz, um andere zu fragen. Je nach Land (bei uns sogar nach Kanton) ist das Angebot unterschiedlich.
Die erste professionelle Ansprechperson ist in unserer Region die freischaffende Hebamme, die deine Partnerin im Wochenbett betreut, später die Mütter- und Väterberatung. Diese Fachfrauen haben jeden Pickel und jede Hautrötung an einem Baby schon einmal gesehen und wissen Bescheid. Gerade beim ersten Kind beobachtet man jede Veränderung mit Sorge, da kann die Beratung durch eine Fachfrau beruhigend wirken.
Selbstverständlich bieten auch die Kinder- und Hausärzte, sowie die Kinderkliniken Beratung an. Dies ist aber häufig mit grösserem Aufwand verbunden (Wartezeiten, Fahrt in die Praxis oder Klinik), oder man traut sich nicht, "wegen einer solchen Kleinigkeit" anzurufen. Deshalb ist das niederschwellige Angebot der Hebammen unbezahlbar.

Familie und Freundeskreis nutzen
Neben professioneller Beratung dürft ihr auch auf die Unterstützung von Familie und Freunden zählen. 
Eure eigenen Eltern haben euch erfolgreich grossgezogen und können euch jetzt bei euren Kindern unterstützen. Auch wenn heute nicht mehr alles so ist wie früher, sind die Grundsätze immer noch gleich.
Andere Eltern im Dorf haben uns schon vor der Geburt angeboten, dass sie jederzeit da sein werden. Vor allem, wenn wir ein Schreibaby haben sollten, sollen wir uns melden. Die Mütter und Väter hätten schon mehrfach Ablösungen organisiert, damit die Eltern auch einmal zur Ruhe kommen. Alleine das Angebot hat uns sehr gerührt und beruhigt. Wir wussten, dass wir auf die Dorfgemeinschaft zählen konnten. Mir ist klar, dass ein kleines Nest im Schweizer Hinterland anders funktioniert als eine Grossstadt. Aber auch in der Grossstadt wohnen andere Eltern im Haus oder Quartier, die helfen können. Vielleicht müsst ihr da einfach aktiver auf die Leute zugehen und um Hilfe fragen.
Freunde können ebenfalls unterstützen, wenn man sie konkret anspricht und sie um einen Gefallen bittet.

Ganz wichtig ist, dass ihr euch selber eingesteht, wenn ihr an eure Grenzen stösst. Wenn du zwei oder drei Nächte hintereinander mit dem Baby in der Wohnung hin- und hergetigert bist, bist du vielleicht froh, wenn eine Kollegin am nächsten Tag den Kinderwagen packt und einen ausgedehnten Spaziergang macht. So kannst du eine oder zwei Stunden schlafen, ohne mit einem Ohr immer beim Baby zu sein. Die Kollegin tut das aber nur, wenn du sie darum bittest. Woher sollte sie sonst wissen, was ihr braucht?

Zeit der Extreme
Das Wochenbett ist auch für uns Väter eine extrem intensive Zeit. Es prasseln so viele Eindrücke auf uns ein, wie sonst wohl nie. Du hast DEIN Kind im Arm. Du wirst dir plötzlich deiner Verantwortung bewusst und hast deswegen vielleicht Bedenken oder Ängste. Du lernst mit wenig Schlaf auszukommen. Du stehst Nachts mehrfach auf, ohne dich je darüber zu ärgern. Der Begriff "Liebe" bekommt eine ganz neue Dimension.

Zum Schluss: Die wichtigste Spielregel für die Partnerschaft
Du wirst aber auch an deine Grenzen stossen. Es gibt Momente, wo deine Partnerin und du sich um nichts streiten. Das tut ihr nur, weil ihr kurzfristig überfordert seid. Ihr seid müde, müsst euch in einer ungewohnten Situation zurecht finden, haltet den vielen Besuch nicht mehr aus... 
Trefft für solche Situationen folgende Abmachung: Wer zuerst realisiert, dass ihr euch nur aus Übermüdung oder Überforderung streitet, spricht es aus und der andere akzeptiert das. Bei uns hat sich eingespielt, dass sich meine Frau in einer solchen Moment ins Schlafzimmer zurückgezogen hat, ich mich auf das Sofa. Jeder gönnte sich so Ruhe und Abstand. Ihr werdet euren eigenen Weg finden.

Zum Thema passend: Schwangerschaft und Säuglingszeit: Das 5. Rad am Wagen

Mittwoch, 26. Februar 2014

Betrifft: Haushalt

© S. Hofschlaeger / pixelio.de

Liebe Frauen! 

Ihr wünscht euch Männer, die in der Familienarbeit Verantwortung übernehmen. Das machen wir. Aber lasst uns bitte so arbeiten, wie wir es für richtig halten. 

Wir Männer packen den Haushalt vielleicht anders an, als ihr das tun würdet. Aber wir sind motiviert, und wir schaffen das. Demotivierend wird es erst, wenn ihr uns immer dreinredet und uns das Gefühl gebt, alles falsch zu machen. 

Es spielt nämlich keine Rolle, wie der Geschirrspüler genau eingeräumt ist. Ich räume ihn auf meine Art ein, weil ich glaube, dass ich so mehr Geschirr und Besteck reinkriege. Du hast das gleiche Ziel mit einem anderen System.

Es ist auch egal, ob Junior heute den grünen oder den gelben Body unter dem orangen Pulli trägt. Du hast Recht, der gelbe würde farblich besser passen, aber das sieht im Winter keiner, weil er über den Kleidern auch noch ein wattierter Overall, einen Schal, eine Mütze, Handschuhe und die dicken Winterstiefelchen trägt.

Manchmal sieht es ungelenk aus, wenn wir etwas in die Hände nehmen. Das merken wir aber selber und finden für das nächste Mal einen einfacheren Weg. Nur weil wir eine Aufgabe beim ersten Mal nicht so geschickt ausführen wir ihr, müsst ihr sie uns nicht für immer wegnehmen.

Wenn wir mit den Kinder herumtollen, passen wir schon auf, dass nichts passiert. Vielleicht sieht es gefährlich aus, wenn wir ein Kind ein paar Zentimeter in die Höhe werfen und wieder auffangen. Oder wenn wir es irgendwo hinaufsteigen lassen. Oder wenn es auf uns herumturnen darf. Aber glaubt uns: Wir haben immer genügend Sicherheitsreserven und gehen mit unseren Kleinen niemals auch nur in die Nähe eines Limits.

Liebe Frauen, wir wollen unseren Teil an der Familienarbeit leisten. Lasst es uns auf unsere Art tun. - Danke!

Eure Männer

Nachtrag:
Meine Frau redete mir kaum je drein (danke mein Schatz!). Ich erlebe aber bei anderen Paaren immer wieder Situationen, in denen ich denke: "Mein Gott, lass ihn doch einfach arbeiten. Er weiss schon, was er tut!"

Donnerstag, 24. Januar 2013

Zeit: Masseinheit für Wichtigkeit

Bild: CFalk /  pixelio.de

Kinder nutzen und benutzen vieles anderes als wir. Eine Kartonschachtel wird zum Auto oder ein alter Kissenbezug zum Umhang. Und auch die Zeit hat für Erwachsene und Kinder eine andere Bedeutung. Erwachsene messen damit eine Dauer, Kinder messen damit "Wichtigkeit".

Ich habe mich heute dabei ertappt, wie ich mich mit anderen Vätern verglichen habe, schliesslich will man ja wissen, was andere besser machen. Es war ein Anlass im Kindergarten, bei dem viele Mütter und eine knappe Handvoll Väter anwesend waren. 

Papi ist da!
Ich beobachtete, wie die Kinder mit ihren Papis umgingen (und umgekehrt) und verglich dies mit dem Verhältnis von Junior und mir. Dabei fand ich vor allem eine grosse Gemeinsamkeit: Alle Kinder freuten sich darüber, dass sich Papa Zeit genommen hat und vorbeigekommen ist. Und nicht nur das: Sie prahlten auch damit ("Bei mir ist eben der Papi gekommen!"), während sich andere Kinder bei ihren Müttern erkundigten, warum ihr Vater nicht komme.

Zeit bedeutet "wichtig"
Noch bevor Kinder die Uhr lesen und eine Zeitdauer abschätzen können, lernen sie, dass Zeit ein knappes Gut ist. Oft genug hören sie schliesslich "Ich habe gerade keine Zeit" oder "Wir nehmen uns einmal Zeit, um dies oder das zu tun". Und so wird Zeit zum Gradmesser für die Wichtigkeit. Das, wofür du dir Zeit nimmst, ist wichtig.

Gemeinsame Zeit: Unbezahlbar
Mir wurde heute einmal mehr bewusst, wie wichtig gemeinsame Zeit ist. Dabei geht es um Kleinigkeiten:
  • nach der Arbeit ein paar Minuten zusammen spielen, bevor man sich um anderes kümmerst
  • die Gitarre stimmen und ein paar Lieder singen
  • zusammen herumtollen
  • vor der Gute-Nacht-Geschichte den Tag Revue passieren lassen
  • undundund...
Bei grösseren Kindern besteht gemeinsame Zeit vielleicht eher aus zusammen gamen, shoppen oder Sport treiben. - Und noch später sind sie froh, wenn du sie in Ruhe lässt ;-)

Egal was, tu's einfach!
Dabei ist es gar nicht so wichtig, was du mit deinen Kindern machst, sondern dass du etwas mit ihnen machst. Zeit mit Kindern zu verbringen hat mit Erleben zu tun, aber auch mit Zuwendung und mit Aufbau von Vertrauen. 

Apropos mit anderen Vätern vergleichen: Sven Broder gibt in seinem Buch "Papa steht seinen Mann" Einblicke in das Leben eines modernen Vaters im Spannungsfeld zwischen Familie, Egotrip und Partnerschaft, was letztendlich auch mit Zeitmanagement zu tun hat. Ich lese es in den nächsten Tagen und berichte in diesem Blog darüber. - Nachtrag: Ich habe es gelesen und Tränen gelacht. Hier meine Buchbesprechung.)